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News-Beitrag

Rückblick: Dritte Arbeitspolitische Jahrestagung der Zukunftszentren 2025

Lesezeit: ca. 22 min
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© Niclas Schmidt
© Niclas Schmidt

Unternehmen im Wandel – Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor für KMU

Am 12. November 2025 fand die dritte Arbeitspolitische Jahrestagung der Zukunftszentren in der Media City Leipzig und hybrid statt. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit.
Unter dem Motto „Unternehmen im Wandel – Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor für KMU“ präsentierten die Zukunftszentren ihre Arbeit.

Rund 400 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung nutzten die vom Zentrum Zukunft der Arbeitswelt (ZZA) organisierte Tagung zum Austausch von Praxiserfahrungen und zur Diskussion neuer Ideen. In den Präsentationen beleuchteten Unternehmenvertreter*innen und Berater*innen gemeinsam ökologische, wirtschaftliche und sozialen Aspekte ihrer Zusammenarbeit. Hierbei wurde deutlich, dass viele Unternehmer*innen bereits nachhaltige Ziele verfolgen und dass die Tätigkeiten Zukunftszentren oftmals „Türöffner“ für die Umsetzung konkreter Lösungen sind

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Zukunft entsteht dort, wo Perspektiven offen geteilt und gemeinsam weitergedacht werden.

Lob zum Auftakt: Politische Impulse und Zukunftsperspektiven

In seinem Grußwort zu Beginn der Tagung hob Sebastian Scheel, Staatssekretär und Amtschef im Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz (SMWA), die Stärke der Zukunftszentren in der Umsetzung konkreter Projekte hervor:
„Der Freistaat Sachsen hat sich damals entschieden, für das übergreifende Zentrum Zukunft der Arbeitswelt eine Kofinanzierung bereitzustellen. Heute sehen wir, wie richtig, wie klug diese Entscheidung war. Ob es nun um neue Lernformate, KI-Kompetenz in KMU oder um neue Ansätze für Führung und Arbeitsorganisation geht – die Zukunftszentren liefern konkrete, greifbare Ergebnisse und sie zeigen: Transformation kann nur gemeinsam gelingen.“
Sebastian Scheel

Fabian Langenbruch, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und zuständig für Fachkräftesicherung, Aus- und Fortbildung, Arbeitskultur und digitale Transformation verdeutlichte im 2. Grußwort, warum die Zukunftszentren als Bindeglied im Transformationsprozess unverzichtbar sind:
„Sie sind mannigfaltig, Ideengeber, Sparringspartner. Wegweiser. Neulich sagte eine Vertreterin der Zukunftszentren zu mir: Die Unternehmen rennen uns die Bude ein zum Thema KI. Wir machen sehr viel Verweisberatung, weil wir das gar nicht mehr alleine handhaben können. Die Zukunftszentren sind auch ein Wissenskanal zu uns, sie sind Seismographen und der Link in die Praxis und wieder zurück. Der Schreibtisch kann manchmal ein riskanter Ort sein, um die Welt zu beurteilen. Deswegen ist es so gut, den zu verlassen und immer mal wieder in Kontakt zu kommen mit Unternehmen. Die Zukunftszentren tun das.“
Fabian Langenbruch

Um zeigen zu können, wie die Zukunftszentren arbeiten, musste auch in diesem Jahr unter den beratenen Unternehmen eine Auswahl getroffen werden. Der Fokus der verschiedenen Präsentationen lag diesmal auf „nachhaltigen“ Beratungen und Qualifizierungen.

Schlaglichter aus der Praxis der Zukunftszentren: Wege zur Nachhaltigkeit

In einer ersten Gesprächsrunde beleuchteten André Lang (Geschäftsführer der Norafin Industries GmbH) und seine Zukunftsberaterin Aline Lohse (RZ Sachsen) gemeinsam mit Moderator Martin Hoffmann die stattgefundene Beratung.

Im Fokus stand die Einführung eines Nachhaltigkeitsmanagements beim Textilhersteller aus dem Erzgebirge. Herr Lang beschrieb seine Ausgangslage zu Beginn der Zusammenarbeit ganz konkret: „Wir wollten das Thema Nachhaltigkeit transportieren. Doch wie sollen wir in das Thema einsteigen? Was ist vielleicht für die Mitarbeiter ein Thema? Was könnte uns als Betrieb wichtig werden? Was ist Nachhaltigkeit — was interessiert die Mitarbeiter überhaupt? Ganz viele Fragen.“

Frau Lohse, die Zukunftsberaterin des Unternehmens, beschrieb die Vorgehensweise der Zukunftszentren in einem solchen Wachstumsprozess: „Unsere Aufgabe ist, dass wir den Leuten helfen, zu sehr komplexen Themen eine Haltung entwickeln zu können. Wir müssen die Komplexität reduzieren, mit ihnen erarbeiten, wo der Handlungsspielraum ist. […] Und da haben viele gemerkt, wie unglaublich viel eigentlich schon da ist.“ So können die Zukunftszentren dazu beitragen, dass vorhandene Potenziale im Unternehmen noch besser genutzt und die richtigen Prioritäten gesetzt werden, damit Unternehmenskultur nachhaltig wachsen kann.

Auch Dr. Sebastian Lindner, der als Referatsleiter für Grundsatzfragen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, im SMWA die Runde fachlich bereicherte sah dies als nachhaltig an. Er gab den Zukunftszentren für ihre weitere Arbeit mit auf den Weg: „Wenn man mit diesen Unternehmen, den Zukunftszentren, der Verwaltung und der Forschung zusammenarbeitet, dann ist viel in Richtung Nachhaltigkeit gewonnen, dann haben wir einen erheblichen Mehrwert.“

Wie man weitere relevante Partner in die nachhaltige Zusammenarbeit einbezieht, darüber berichteten in der 2. Runde Stefanie Burr, Mitarbeiterin  der Green Life GmbH, und ihr Zukunftsberater Thomas Radke (RZ Mecklenburg-Vorpommern+). Stefanie Burr: „Unser Unternehmen beschäftigt sich schon ganz lange mit Nachhaltigkeit. In Spitzenzeiten sind wir energieautark. Unser Produkt, Grau- und Regenwasseranlagen, ist nachhaltig, Wasserversorgung gehört zur Daseinsvorsorge. Wir wollten der Frage nachgehen: Warum ist Wasserknappheit hier bei uns so wenig präsent?

Sie berichteten, wie die Green Life GmbH den BUND Schwerin auf die Transformationsreise Wirtschaft“ einlud. „Reiseleiter“ Thomas Radke vom ZMV+ berichtet: „Wenn man zugesagt hat, startet ein von uns strukturierter Prozess, der ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauert. Er besteht aus einer Serie verschiedener Workshop Formate, Beratung, kollegiale Beratung, wo die Gruppe mit den anderen Unternehmen, mit dem Tandempartner arbeitet. Das Ganze ist eine Mischung aus unterschiedlichen Methoden. Im Kern steht ein Design Thinking Prozess, wo wir uns sehr viel Zeit für die Situationsanalyse und Problemanalyse nehmen.“ Ein Ideenfeuerwerk und Perspektivwechsel im Unternehmen durch die gemeinsame Arbeit an Prototypen bei dem  NGOs Ihre Fachexpertise einbringen und diesen Prozess begleitend unterstützen.

Johanna Köhnlein vom BUND Schwerin „fand die Zusammenarbeit sehr angenehm und konstruktiv. […] „Wir sind oft in unserer eigenen Blase, aber wir können nur gemeinsam etwas bewirken. Da ist die Transformationsreise eine große Chance.“

Zum Ende der Runde bringt Fabian Langenbruch vom BMAS auf den Punkt: Wenn ein Unternehmer mich fragen würde, warum Zukunftszentren, dann würde ich hoffen, dass ich die Nummer von Herrn Lang und Frau Burr weitergeben dürfte. Anmerkung: Insgesamt haben jetzt 32 Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern diesen Prozess durchlaufen.

In einem Praxisgespräch mit Lilian Tschan, Staatssekretärin des BMAS, Unternehmer Torsten Hillger, Geschäftsführer der Tischlerei Hillger & Söhne GmbH, und der Zukunftszentren-Beraterin Susanne Hohensee (RZ Sachsen-Anhalt) wurde berichtet, wie die Azubis im Unternehmen durch einen Wettbewerb nachhaltig beteiligt werden. Den direkten Einfluss auf die Unternehmenskultur bringt Torsten Hillger auf den Punkt: „Es ist einfach, Veränderungen herbeizuführen über die Azubis, weil es dann nicht von oben nach unten durchläuft. Die Bereitschaft, das umzusetzen, ist gleich viel größer.“

Ein gutes Beispiel für nachhaltige Arbeitskultur. Staatssekretärin Lilian Tschan fasst die Arbeit der Zukunftszentren zusammen: „Veränderungsprozesse lassen sich nur durch eine starre Gesetzgebung schwer gestalten, da muss man auch über Vernetzung, Projektarbeit, Experimentierräume arbeiten, wenn man Veränderungen positiv gestalten möchte. Die Zukunftszentren sind ein ganz wichtiges Instrument, das wir zur Verfügung stellen, um die Betriebe zu unterstützen, sich über gute Beispiele auszutauschen und voneinander zu lernen. Und insbesondere, um auch kleine und mittelständische Unternehmen zu unterstützen.“

Zum Ende des Tages: Ein „Blick über den Tellerrand“ des eigenen Programms. Marina Jentsch vom RZzKI im Gespräch mit Dr. Constanze Haug von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH und Steffen Leonhardi, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit Leipzig. Sie beleuchteten das Spannungsfeld zwischen KI und Nachhaltigkeit, wobei sie konkrete Chancen zur Ressourceneffizienz sozialen Risiken wie digitalem Stress für Mitarbeitende gegenüberstellten. Als Schlüsselfaktoren für Erfolg im demokratischen Wandel identifizierten sie u.a. lebenslanges Lernen, das gemeinsame Ziehen an einem Strang und ein fest verankertes „Mindset“ in der Unternehmenskultur


Keynote: Zukunftsdenken und Innovation

Ein weiterer Höhepunkt der Jahrestagung war die Keynote von Frank Eilers, Zukunftsdenker, Podcaster und Speaker. Er gab inspirierende Impulse dazu, wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz miteinander verknüpft werden können und welche Chancen sich daraus für Unternehmen ergeben. Seine Ausführungen regten zum Nachdenken an und boten Denkanstöße für die Umsetzung innovativer Ansätze in KMU.

Download: Klicken Sie hier, um Frank Eilers Keynote-Präsentation herunterzuladen.

Featured: Hören Sie auch unseren Podcast „Zukunftsmusik“ mit Keynote-Speaker Frank Eilers

Programm-Highlights: Praxisnah und interaktiv

Silent-Meeting-Bühnen
Auf drei parallellaufenden Bühnen im Hauptsaal gewährten 6 Beratungs-Tandems, bestehend aus Unternehmensvertreter*innen und ihren Berater*innen der Zukunftszentren lebhafte Einblicke in die Beratung. Die Impulse wurden per Kopfhörer übertragen. Die Teilnehmenden konnten so zwei aufeinanderfolgenden Impulsen störungsfrei folgen. Thematisch angesiedelt zwischen nachhaltiger Organisationsentwicklung über digitale Transformationsprozesse bis hin zu praxisnahen Methoden der beteiligungsorientierten Beratung. So entstand ein intensives und fokussiertes Erlebnis, das gleichzeitig einen direkten Einblick in die Arbeit der Zukunftszentren gab. Die Kombination aus Praxisbeispielen, interaktiven Formaten und Silent Meetings machte die Inhalte erlebbar und greifbar.
Die Beratungsbeispiele waren:


Markt der Möglichkeiten
Alle 14 regionalen Zukunftszentren präsentierten in einem lebendigen Ausstellungsbereich ihre Ansätze, Werkzeuge und Beratungsangebote. Besucher*innen konnten Methoden ausprobieren, Unternehmen kennenlernen, mit Berater*innen ins Gespräch kommen und praxisnahe Einblicke gewinnen. Die zusätzliche Transfer Lounge bot zudem Gelegenheit, Programme und Projekte wie die Digitalagentur Sachsen (DiAS), das Zentrum für Fachkräftesicherung und Gute Arbeit (ZEFAS) des Freistaates Sachsen, die KI-Initiative Green‑AI Hub Mittelstand des Bundesumweltministeriums oder die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des BMAS kennenzulernen und weiter zu netzwerken.

Wirkung & Ausblick

Die Jahrestagung 2025 gezeigt, dass innovative Formate und aktive Beteiligung nachhaltigen Wandel in KMU unterstützen. Die Vernetzung zwischen Unternehmen, Politik und Zukunftszentren erwies sich einmal mehr als wichtiger Baustein im Wandel der Arbeit. Praxisnahe Einblicke machten greifbar, wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung Hand in Hand gehen können, und lieferten wertvolle Impulse für zukünftige Transformationsprozesse.
Die Erkenntnisse und Begegnungen dieses Tages geben Anstoß, Netzwerke weiter auszubauen, Wissen zu teilen und nachhaltige Lösungen in der Praxis noch stärker sichtbar zu machen.

Wir danken allen, die diesen Tag ermöglicht haben!

©Zeitrausch

Alle Fotos : © Niclas Schmidt