Wissenspool-Beitrag

Analyse und Identifikation innovationsförderlicher Rahmenbedingungen

07.12.2022
Lesezeit: ca. 8 min

Themen der Studie

Das zentrale Anliegen der Studie bestand darin zu verstehen, wie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT; z.B. Handy, Computer, Internet) am Arbeitsplatz genutzt werden und in die örtliche sowie zeitliche Flexibilität der Arbeitsverrichtung eingebettet sind. Ausgangspunkt unserer Überlegungen waren aktuelle Debatten in der Arbeits- und Organisationspsychologie (siehe z.B. Poethke et al., 2019).

Stichprobenbeschreibung

Die 3.272 Teilnehmenden dieser Studie waren im Schnitt 46 Jahre alt und 45% ordneten sich dem männlichen Geschlecht zu. Insgesamt ist die Verteilung von Alter und Geschlecht als repräsentativ einzuordnen. Fast alle Teilnehmenden hatten die deutsche Staatsbürgerschaft (97%). Der am häufigsten genannte erreichte Bildungsgrad war die mittlere Reife bzw. Realschule (30%), vor dem Hochschulabschluss (Bachelor, Master, Magister oder Diplom, 29%) und der allgemeinen bzw. fachgebundenen Hochschulreife (18%; siehe Diagramm 2). Bezüglich der Position in der Firma gaben 7% der Teilnehmenden an, Teil der Geschäftsführung zu sein, während 27% in ihrem Job Führungsverantwortung trugen (34% der Männer und 19% der Frauen; siehe Diagramm 3). Insgesamt belegten die meisten Teilnehmenden (32%) eine mittlere Position in ihrem Unternehmen. Das durchschnittliche Nettoeinkommen der Stichprobe verlief sich auf ca. 2.330€ wobei das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen bei 3.580€ lag. Männer verdienten signifikant mehr (2.800€) als Frauen (1.940€), was seinen Ursprung darin haben könnte, dass Männer im Schnitt einen höheren erreichten Bildungsgrad hatten und ihre Position im Unternehmen als höher einstuften als Frauen. Zusätzlich war das Einkommen in Berlin (2.590€) und in den alten Bundesländern (2.380€) signifikant höher als das in den neuen Bundesländern (2.000€). Dies spiegelte sich darin wider, dass es signifikante Unterschiede des erreichten Bildungsgrads zwischen diesen Regionen gab. Teilnehmende aus Berlin hatten den höchsten Bildungsgrad, gefolgt von den alten Bundesländern und den neuen Bundesländern. Zusätzlich war die große Mehrheit (91%) unbefristet angestellt und die meisten Teilnehmenden arbeiteten in Unternehmen mit 249 oder mehr Mitarbeitenden (46%). Die meistgenannten Branchen waren außerdem Gesundheit und Sozialwesen (14,7%), verarbeitendes Gewerbe (10,5%), öffentliche Verwaltung (9,5%) und sonstige Dienstleistungen (9,2%). Die restliche Verteilung der Branchen entnehmen Sie bitte Diagramm 1.

Diagramm 1: Verteilung der Branchen

2022_ZdA-Uni-Leipzig-Spotlight_Rahmenbedingungen_Diagramm-1
2022_ZdA-Uni-Leipzig-Spotlight_Rahmenbedingungen_Diagramm-2
2022_ZdA-Uni-Leipzig-Spotlight_Rahmenbedingungen_Diagramm-3

Analyse

Der Großteil der Fragen war auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft voll und ganz zu) zu beantworten. Für eine vereinfachte Darstellung haben wir die Antwortmöglichkeiten 2-5 zusammengefasst. Die Prozentzahlen im Ergebnisabschnitt sind also auf den Anteil der Teilnehmenden, die mindestens die Option 2 (trifft wenig zu) ausgewählt haben. Mittelwertvergleiche wurden mit einem Zweistichproben-t-Test oder einer Varianzanalyse durchgeführt. Letztlich wurde eine lineare Regression mit allen Prädiktoren gerechnet, um herauszufinden ob sich die vorhersagenden Variablen gegenseitig aufheben.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein Großteil der Teilnehmenden (84%) IKT für die Erledigung Ihrer Arbeitsaufgaben verwendet. Der Anteil der Männer (87%) war signifikant höher als der der Frauen (82%). Zusätzlich war der Anteil in den alten Bundesländern (85%) und Berlin (86%) signifikant höher als in den neuen Bundesländern (81%). Des Weiteren benutzen signifikant mehr Teilnehmende mit Hochschulabschluss (92%) IKT am Arbeitsplatz als Teilnehmende ohne Hochschulabschluss (81%). Außerdem zeigen die Ergebnisse einen kleinen negativen Zusammenhang zwischen Alter und IKT-Nutzung auf. Folglich gaben ältere Teilnehmende weniger IKT-Nutzung an als jüngere Teilnehmende. Die Ergebnisse der linearen Regression zeigen außerdem, dass Alter, Geschlecht, Region und Hochschulabschluss sich nicht gegenseitig aufheben. Vielmehr sind alle vier Prädiktoren relevant und erklären zusammen 4,6% der Varianz der IKT-Nutzung, wobei der Hochschulabschluss mit 2,4% den stärksten Prädiktor darstellt.

Die knappe Mehrheit (54%) war flexibel, was den Arbeitsort betrifft und konnte auch außerhalb des Büros arbeiten. Hier gaben signifikant mehr Männer (59%) als Frauen (49%) an, flexibel arbeiten zu können. Auffällig ist auch der signifikante Unterschied zwischen den neuen Bundesländern (47%), den alten Bundesländern (54%) und Berlin (64%). Außerdem hatten deutlich mehr Teilnehmende mit Hochschulabschluss (74%) einen flexiblen Arbeitsort als Teilnehmende ohne Hochschulabschluss (45%). Zusätzlich zeigt sich auch hier ein negativer Zusammenhang zum Alter; ältere Befragte gaben einen weniger flexiblen Arbeitsort an als jüngere. Die Ergebnisse der linearen Regression zeigen wieder, dass Alter, Geschlecht, Region und Hochschulabschluss sich nicht gegenseitig aufheben. Die vier Prädiktoren erklären zusammen 10% der Varianz in der Flexibilität des Arbeitsorts der Teilnehmenden, wobei auch hier der Hochschulabschluss mit 7,4% den stärksten Prädiktor darstellt.

Etwa zwei Drittel der Befragten (68%) konnte sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. Wieder gaben signifikant mehr Männer (73%) als Frauen (63%) an, flexibel sein zu können. Auch der Unterschied zwischen den neuen Bundesländern (62%), den alten Bundesländern (69%) und Berlin (74%) fällt erneut auf. Hierbei ist jedoch nur der Unterschied zwischen den neuen (62%) und alten Bundesländern (69%) sowie zwischen den neuen Bundesländern und Berlin (74%) signifikant. Berlin und die alten Bundesländer zeigen ein vergleichbares Niveau an Flexibilität der Arbeitszeit auf. Zudem waren signifikant weniger Befragte ohne Hochschulabschluss (62%) zeitlich flexibel als Befragte mit Hochschulabschluss (82%). Letztlich zeigten die Ergebnisse der linearen Regression auch hier, dass die Prädiktoren Alter, Geschlecht, Region und Hochschulabschluss sich nicht gegenseitig aufheben. Zusammen erklären sie 8,9% der Varianz in der zeitlichen Flexibilität der Teilnehmenden. Auch hier tritt der Hochschulabschluss mit 5,5% als stärkster Prädiktor hervor.

Autor
Maria Hällfritzsch

Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie

Universität Leipzig
Arbeits- und Organisationspsychologie
Neumarkt 9-19
04109 Leipzig

Autor
Prof. Dr. Hannes Zacher

Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie

Universität Leipzig
Arbeits- und Organisationspsychologie
Neumarkt 9-19
04109 Leipzig